Die VISION Consulting unterstützt schon seit längerem wohltätige Projekte. Jetzt jedoch wollen wir uns an die Spitze eines neuen Vorhabens setzen: wir unterstützen das Projekt „Wege in die Versorgung nach sexueller Gewalterfahrung“ des Uniklinikums Leipzigs, angeleitet von Dr. Marie Kaiser.
Wir sind sehr stolz, unseren Beitrag zu diesem wichtigen Projekt zu leisten. Hier erfahren Sie, was das Projekt für Betroffene von sexueller Gewalt tut, was Frau Dr. Kaiser antreibt und wie wir das Projekt unterstützen.
Das Projekt
Dr. Marie Kaiser, Trägerin des Hans-Heimann-Promotionspreises, leitet seit 2023 das Projekt „Wege in die Versorgung nach sexueller Gewalterfahrung.“
Hinter diesem Titel versteckt sich ein Projekt, das systematisch erfassen soll, welche Versorgung Betroffene mit sexueller Gewalterfahrung brauchen, was sie daran hindert diese in Anspruch zu nehmen und welche Erfahrungen sie in der Behandlung machen. Ziel des Projekts ist es, zu einem verbesserten Zugang von Betroffenen zu traumasensiblerer Versorgung beizutragen.
Dazu geht das Team um Dr. Kaiser mehrgleisig vor. In zwei Teilprojekten forschen sie zu den Perspektiven von Betroffenen und Behandler:innen. In beiden Fällen hat das Team gut vorgelegt und 41 Betroffene sowie 25 Behandler:innen interviewt. Derzeit befinden sich die Interviews in der Auswertung durch engagierte Studierende, die ihre Abschlussarbeiten im Projekt schreiben.
Die Ergebnisse bisher
Auch wenn das Projekt noch am Anfang steht, gibt es schon Ergebnisse, die es in sich haben. In einem Interview mit der VISION Consulting gab uns Frau Dr. Kaiser einen ersten Einblick. Laut ihren Erkenntnissen, haben zahlreiche Betroffene mit sexueller Gewalterfahrung Schwierigkeiten zu realisieren, dass sie betroffen sind – entsprechend nehmen sie auch keine Hilfe in Anspruch. Das heißt jedoch nicht, dass sie nicht unter ihren Erfahrungen leiden würden. Dr. Kaiser erklärt:
„Aufgrund des gesellschaftlich verankerten Bildes der ‚echten Vergewaltigung‘ und verinnerlichten Vergewaltigungsmythen fällt es Betroffenen nicht nur schwer, die Gewalterfahrung als solche einzuordnen. Betroffene zweifeln auch, ob ihre Erfahrung „schlimm genug“ war, dass sie berechtigt sind ein Hilfsangebot in Anspruch zu nehmen. Hier spielen Scham und Schuld eine große Rolle, ebenso wie die Befürchtung, dass einem eh nicht geglaubt oder geholfen werden wird.“
Aber das ist nicht das einzige Problem, dem sich Betroffene sexueller Gewalt laut Dr. Kaisers Ergebnissen gegenüberstehen. So besteht vor allem das Problem der „sekundären Viktimisierung“. Dieser Fachbegriff bezeichnet das Phänomen, dass Betroffene durch unsensibles Verhalten nach der Tat erneut verletzt werden können. Das schadet natürlich auch den Heilungschancen. Es braucht also deutlich mehr Aufklärung, sowohl in der Ausbildung von Fachkräften, als auch gesamtgesellschaftlich, um eine Wiederverletzung der Betroffenen zu verhindern.
Zudem gibt es zu wenig Psychotherapeut:innen, die Patient:innen mit traumatischen Erfahrungen aufnehmen und sich die Behandlung dieser zutrauen – in Dr. Kaisers Worten „ein Sechser im Lotto“. Bislang stemmen vor allem psychosozial Arbeitende den Mammutteil der Arbeit in der Versorgung der Betroffenen. Die Aus- und Weiterbildung aller Behandler:innengruppen ist dementsprechend enorm wichtig.
So sagt Dr. Kaiser:
„Psychosozial Arbeitende sind häufig eine der ersten Anlaufstellen und begleiten die Betroffenen auf ihrem Weg im Ringen um die Einordnung des Erlebten als Gewalterfahrung sowie in der Navigation durch ein offenbar häufig frustrierendes Versorgungsnetz, z.B. hinsichtlich psychotherapeutischer Angebote, die traumaspezifisch arbeiten.“
Die Forschung in diesem Feld ist vor allem im englischsprachigen Raum sehr umfangreich – allgemein ist die Umsetzung in die Praxis jedoch eher mangelhaft. Einige ganz konkrete praktische Erfolge gibt es aber schon vorzuweisen.
So hat das Forschungsteam gemeinsam mit dem Traumanetz Leipzig Broschüren für Behörden und den medizinischen Bereich erstellt. Diese beschreiben, wie traumasensibel mit Betroffenen umgegangen werden kann. Damit soll die Gefahr einer sekundären Viktimisierung reduziert werden.
Denn davon sind noch immer viel zu viele Personen betroffen. Gerade Behörden, die mit Geflüchteten zu tun haben, können hier aufgrund von mangelnder Aufklärung Schaden anrichten. Darum haben wir uns entschieden, das Projekt zu unterstützen – in der Öffentlichen Verwaltung kennen wir uns aus.
Unser Beitrag
Die VISION unterstützt das Projekt mit Finanzmitteln. Diese werden für das Interviewequipment und für Publikationskosten genutzt.
Wir haben schon öfters wohltätige Projekte unterstützt. Denn wir haben eine gesellschaftliche Verantwortung, der wir gerecht werden wollen. Als Unternehmen lassen wir uns von Werten leiten. Wir versuchen, eine gerechtere und gleichere Zukunft zu schaffen, bei der jeder Mensch individuell in den Fokus genommen wird. Das heißt auch, dass wir in unserer Arbeit auf jeden Menschen und seine Bedürfnisse individuell eingehen. Diese Einstellung wollen wir in die Gesellschaft weitertragen. Aus diesem Grund haben wir uns auch für die Förderung des Forschungsprojekts entschieden.
Der Umgang mit traumatisierten Menschen ist jedoch auch für unsere Arbeit wichtig. Sie haben es sich bestimmt schon gedacht, als wir den Flyer für den Umgang in Behörden angesprochen haben. Als Beratungshaus für die Öffentliche Verwaltung ist es unser Ziel, öffentliche Dienstleistungen für alle einfach zugänglich zu machen. Das geht natürlich nicht, wenn Betroffene sexueller Gewalt durch unsensibles Verhalten ausgeschlossen werden. Darum haben wir die Gelegenheit, hier Unterstützung zu leisten, gerne wahrgenommen.
Wir sind jedenfalls gespannt auf die weiteren Ergebnisse des Projekts. Wir hoffen, dass die Erkenntnisse von Frau Dr. Kaiser Betroffenen weiterhin zu Gute kommen und wünschen ihr und ihrem Team alles Gute!
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