Der Zukunftskongress Staat & Verwaltung 2026 in Berlin stand ganz im Zeichen der Verwaltungsmodernisierung. Für die VISION waren Niels Droste und Thomas Brendel vor Ort und verfolgten die Diskussionen rund um digitale Souveränität, Deutschland-Stack, Künstliche Intelligenz und die Zukunft der öffentlichen Verwaltung.
Eine Beobachtung zog sich dabei durch zahlreiche Vorträge, Panels und Fachgespräche: Die Diskussion hat die Ebene der strategischen Zielbilder weitgehend verlassen. Im Mittelpunkt steht zunehmend die Frage, wie bestehende Konzepte und Initiativen erfolgreich in die Praxis überführt werden können.
Deutschland-Stack als zentrales Zukunftsprojekt
Der Deutschland-Stack war eines der prägenden Themen des Kongresses. Im CIO-Talk „Deutschland-Stack: Wie Bund und Länder die digitale Verwaltung stärken und ihre technologische Souveränität sichern“ wurde deutlich, welche Erwartungen mit dem Vorhaben verbunden sind.
Ziel ist es, durch gemeinsame Standards und ein einheitliches technologisches Fundament die digitale Handlungsfähigkeit der öffentlichen Verwaltung zu stärken und gleichzeitig die technologische Souveränität Deutschlands auszubauen.
Staatssekretärin Milen Starke brachte die Perspektive vieler Beteiligter auf den Punkt:
„Wir haben jahrelang darauf gewartet.“
Gleichzeitig wurde deutlich, dass sich der Erfolg des Deutschland-Stacks nicht allein an seiner strategischen Ausrichtung messen lassen wird. Entscheidend wird sein, wie konsequent die Operationalisierung und Umsetzung gelingt.
Digitalisierung bedeutet mehr als digitale Prozesse
Einen wichtigen Impuls setzte Jan Pörksen mit der Aussage:
„Digital only ist nicht digital online.“
Der Satz beschreibt eine zentrale Herausforderung der Verwaltungsdigitalisierung. Digitale Formulare oder Online-Anträge allein führen noch nicht zu einer grundlegenden Transformation. Der eigentliche Mehrwert entsteht dort, wo Prozesse, Verantwortlichkeiten und Arbeitsweisen neu gedacht und nachhaltig verändert werden.
Flächendeckung als Erfolgsfaktor
Wie anspruchsvoll die Umsetzung in der Praxis ist, zeigte der Best-Practice-Dialog zum Programm Flächendeckung des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS).
Die Erfahrungen der ersten beteiligten Länder verdeutlichen, wie wichtig eine enge Verzahnung von Rollout, Governance und Zusammenarbeit ist. Besonders interessant waren die Einblicke in die niedersächsische Vorgehensweise, bei der die Einführung ausgewählter Online-Dienste durch eine eigene Task Force aktiv begleitet wird.
Die Diskussion machte deutlich, dass die eigentliche Herausforderung häufig nicht in der Entwicklung digitaler Leistungen liegt, sondern in deren flächendeckender Einführung und Nutzung.
Der Mensch bleibt entscheidend
Neben technologischen und organisatorischen Fragestellungen spielte auch der Faktor Mensch eine zentrale Rolle.
Dr. Nicole Schilling, Vizepräsidentin des Bundesamtes für das Personalmanagement der Bundeswehr, plädierte für neue Wege bei der Gewinnung von IT-Talenten. Ihr Beitrag machte deutlich, dass digitale Souveränität nicht allein durch Technologien, Plattformen oder Architekturen entsteht. Ebenso wichtig sind die Menschen, die diese Lösungen entwickeln, betreiben und weiterentwickeln.
Auffällig war zudem, dass auf vielen Bühnen die Einbindung der Mitarbeitenden als wesentliche Voraussetzung für erfolgreiche Transformation hervorgehoben wurde. Gleichzeitig erleben wir in vielen unserer Projekte bereits heute Verwaltungen, die diesen Weg aktiv gestalten und Veränderung als gemeinsame Aufgabe verstehen.
Fazit
Der Zukunftskongress Staat & Verwaltung 2026 hat gezeigt, dass die Verwaltungsmodernisierung in Deutschland in eine neue Phase eintritt.
Mit dem Deutschland-Stack entsteht eine gemeinsame Vision für die technologische Zukunft der Verwaltung. Programme wie Flächendeckung zeigen, dass die Umsetzung bereits begonnen hat.
Nun gilt es, die zahlreichen Initiativen konsequent weiterzuführen und den Fokus auf den tatsächlichen Mehrwert für Verwaltung, Wirtschaft und Bürgerinnen und Bürger zu richten. Denn digitale Souveränität entsteht nicht allein durch Strategien und Technologien, sondern durch deren erfolgreiche Anwendung in der Praxis.
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